Über die Redekunst 2019-03-19T13:35:34+00:00

Seine Kunst des Redens.

Meine Begegnung mit dem Rhetoriker Walter Jens.

Neulich widmete die ZEIT (N°20) ihr Titelblatt dem schönen Thema Die Kunst des Redens. In dem hervorragenden Artikel Einfach überzeugen beschreibt der Autor Andreas Sentker wesentliche Elemente der ars dicendi. In einer Reihe mit Aristoteles und Cicero wird Walter Jens erwähnt. Als ich den Artikel las, fiel mir meine persönliche Begegnung mit diesem Meister der Rede ein.

Er und seine Frau Inge Jens waren in der TV-Sendung „Boulevard Bio“ eingeladen. Während meines Studiums arbeitete ich in dieser Redaktion ein halbes Jahr und lernte viel. Nach der Aufzeichnung der Sendung  ging Alfred Biolek mit seinen Talkgästen und uns, seinem Redaktionsteam, immer noch essen. Jeder Redakteur „betreute“ einen Gast. Zu meinem großen Glück durfte ich dann den ganzen Abend neben Walter Jens sitzen, der damals schon Ende 70 war. Die aufgeregte Germanistikstudentin neben DEM Rhetoriker schlechthin. Die große Frage in meinem Kopf war: „WORÜBER rede ich mit ihm?!“

Ich weiß nicht ob er meine Aufregung gespürt hat? Auf jeden Fall macht er es mir sehr leicht. Wir unterhielten uns prächtig. Über gar nichts besonders Großes, sondern über so Kleinigkeiten wie, dass seine Frau ihm Einkaufszettel schreibt, wenn er einkaufen geht, welchen Salat er am liebsten mag, die Stadt Tübingen und so weiter. Es war ein herrlicher Abend.

Das Ende dieser Begegnung werde ich nicht vergessen: Zum Abschied wünschte er mir alles Gute und dann nahm mich dieser Mann in den Arm und drückte mich einmal fest. Beeindruckende Kommunikation braucht manchmal wenig Worte.

Der Autor des ZEIT-Artikels beschließt seine Ausführungen über die Kunst des Redens mit dem Satz: Die vielleicht wichtigste Regel hat (in ihrer Prägnanz dem Reformator Luther folgend) der Rhetoriker Walter Jens formuliert: „Dies bin ich, und ich meine es so, wie ich es sage.“